30.November 2019, 18:00 Uhr - 21:00 Uhr

Florian Conrads. Lichtgestalten

Finissage der Ausstellung im Erwin-Piscator-Haus

Der Berliner Fotograf Florian Conrads zeigt in seiner Ausstellung vom 29.8. bis 30.11.2019 Impressionen aus der AG Halbleiterphotonik der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Martin Koch und Fotografien dynamischer Rotationserscheinungen.

 

I Impressionen aus der AG Halbleiterphotonik

Physikerinnen und Physiker vergraben sich gerne in abgedunkelten Laserlaboren. Die Verdunklung wird nötig, da nur die Lichtteilchen detektiert werden sollen, die vom Experiment stammen und nicht solche, die in einer Deckenlampe ihren Ausgangspunkt haben. Die Experimente, die durchgeführt werden, sind speziell und es ist wirklich schwierig, sie Nicht-Experten und -Expertinnen zu erläutern. Beispielsweise geht es darum, die Bildungs- und Zerfallsdynamik von sogenannten Exzitonen in Halbleiterhetero-strukturen bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt zu beobachten. Warum dies interessant und reizvoll ist, ist nicht leicht erklärt.

Allerdings hat diese Forschung auch einen ästhetischen Aspekt; und dieser ist offensichtlich und bedarf keiner Erläuterung. Die Laserstrahlen, die von einem Wald von Spiegeln in komplexen Bahnen umgelenkt und Richtung Probe geschickt werden, sind mitunter sehr schön anzusehen. Viele Forscher haben schon versucht, diese Laserstrahlen fotografisch einzufangen – niemandem ist dies so gelungen wie Florian Conrads mit seiner speziellen Beleuchtungstechnik. Seine Werke besitzen Strahlkraft und vermögen eindrucksvoll dem Laien die Schönheit der physikalischen Forschung mit Lasern zu vermitteln.

 

II SPIN DARK. Fotografien eines bewegten Moments

Im Kleinsten wie im Größten bestimmt das Kreisen unser Leben. Ob das Elektron um den Atomkern oder der Planet, auf dem wir leben, um die Sonne, oder bloß die Gedanken um eine bestimmte Sache. Selbst wenn wir scheinbar still stehen, so sind wir doch ständig in Bewegung!

Diese allgegenwärtige Bewegung macht sich Florian Conrads in seiner Serie SPIN DARK zunutze, um Lichtobjekte entstehen zu lassen. In Langzeitbelichtungen von sich drehenden Silhouetten entstehen Farbmischungen, Überlagerungen, feine Linien oder große Flächen, die im Zusammenspiel zu Körpern werden und deren Bewegung in einer Fotografie festgehalten wird. Wie in einem Labor experimentiert Conrads mit seinen selbstgebauten Objekten und bezieht den Zufall ganz bewußt in seine Arbeit mit ein. Denn die Kombination aus Farbe, Form, Licht, Rotation, Zeit und der von ihm angewendeten Technik schließt Überraschun-gen immer mit ein. Und dieser forschende Ansatz überträgt sich auch auf die Betrachtung seiner Arbeiten. Eine Neugier wird ausgelöst, die auch Teil des Schaffungs-prozesses war. Es beginnt eine Suche nach bekannten Formen, ein Studium der Details, ein Eintauchen in räumliche Farbtiefen.

Conrads Fotografien bestechen durch Symmetrie und Ruhe. Gleichzeitig beinhalten sie Chaos und Bewegung, die zwar durch die Länge der Belichtung kaum sichtbar sind, aber dennoch Teil der Motive bleiben. Es sind Rotationserscheinungen mit einer dynamischen Ordnung, oder besser: in Form gebrachte, bewegte Momente.

www.spin-dark.de

Florian Conrads ist Grafikdesigner und Fotograf und führt seit zehn Jahren fotografische Experimente mit Licht im Dunkeln durch. SPIN DARK ist Fotografie mit dem Blick eines Grafikdesigner.

Eröffnung am Donnerstag, 29. August 2019, um 18 Uhr

Zur Einführung sprechen:

Prof. Dr. Martin Koch, AG Halbleiterphotonik

Prof. Dr. Michael Bölker, Vizepräsident der Philipps-Universität Marburg

Einladungskarte_Florian-Conrads_EPH

Die Ausstellung wird dankenswerterweise gefördert von: