4.Mai 2018 - 22.Juni 2018

Julian Röder: „in disorder“

Julian Röder (geb. in Erfurt, 1981) lebend in Berlin, absolviert eine Ausbildung zum Fotografen bei der renommierten Agentur für Fotografen Ostkreuz. Als Fotokünstler widmet er sich nun seit fünfzehn Jahren politischen, sozialen und ökonomischen Zusammenhägen. Seine Motive untersuchen die Strukturen von Macht und Ökonomie des auf das Wachstum ausgerichteten, globalen Spätkapitalismus. Er fotografiert kritische Situationen wie Demonstrationen, Handelsmessen, neuste Technologien der Grenzüberwachung und widmet sich des Weiteren Gedankenfotografien und Verschwörungstheorien. Hierzu bedient er sich der Bildsprache der Kunstgeschichte und der Werbung, arbeitet mit Dokumentation, Allegorien, Stilisierungen und Inszenierungen. Im Spannungsfeld zwischen angewandten und freien Arbeiten, entwickelt Röder einen eigenen, konzeptuell-dokumentarischen Ansatz. Die Fotografien verweisen über das Gezeigte auf gesamtgesellschaftliche Zustände und Entwicklungen. Seine seriellen Arbeiten befassen sich stets mit den Veränderungen der globalisierten Gegenwart aus der Perspektive eines stillen Beobachters. Durch ästhetische Brüche versucht Julian Röder beim Betrachter Irritationen hervorzurufen und ihn damit zum Nachdenken zu bewegen. In seinen Fotografien geht es darum, die Wirklichkeit so zu verdichten, dass Zusammenhänge und Strukturen einer Welt des Marktes sichtbar werden. Das Wichtigste scheint die Erkenntnisgewinnung über die Welt zu sein.

Zur Ausstellung

In einer politisch aufgewühlten Welt, zwischen Protesten gegen Donald Trump und Anti-Brexit-Kampagnen wird auch die Kunst erneut von politischen Gedanken geleitet. Fünfzig Jahre nach „68“ stellt sich die Welt neuen politischen Herausforderungen und Krisen. Die Serien Julian Röders, beginnen mit Demonstrationen, die von solchen Krisen zeugen. Die Ausstellung „in disorder“ zeigt das seit fünfzehn Jahren wachsende Werk in einem Dialog über die Wirklichkeit, scheinbar zusammenhangsloser Serien. Julian Röders Fotografien brauchen die Serie um zu funktionieren, da sie den Anspruch haben, eine komplexe Wirklichkeit abzubilden. Die Arbeiten sind frei von Slogans und appellierenden Schriften, sie deuten an und zeigen dem Betrachter das Destillat von Macht und Ökonomie. Dabei liegt ihr primärer Fokus nicht darauf, die Welt zu verbessern, sie zeugen stattdessen seismografisch von den Krisen unserer Zeit und versuchen verborgene Strukturen aufzuzeigen. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Fotografien bisher veröffentlichter Serien im Dialog miteinander und mit dem Betrachter.

Diese Ausstellung ist ein Beitrag zum Themenjahr „1968“ der Stadt Marburg.

Julian Röder hat bereits zahlreiche Preise und Stipendien erhalten. Seine Arbeiten wurden in Deutschland unter anderem ausgestellt im Haus am Waldsee Berlin, in der Pinakothek der Moderne und dem Lenbachhaus in München, im ZKM Karlsruhe und im Frankfurter Kunstverein. International zeigte er Arbeiten unter anderem im Museum of Modern Art in Moskau, im Nederlands Fotomuseum in Rotterdam, im Museum of Art in Busan und im Center for Contemporary Art in Tel Aviv. 2014 erschien seine erste Monographie unter dem Titel „World Wide Order“.

www.julianroeder.com