1.Oktober 2021 - 18.November 2021

Susanne Kutter. Stille im Auge des Zyklons

Ausstellung

Susanne Kutter (* 1971 in Wernigerode) studierte Bildhauerei und Video bei Paul Isenrath und Guillaume Bijl an der Kunstakademie Münster.

Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Preise und unterrichtete an der Universität der Künste Berlin, an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und an der Bauhaus-Universität Weimar. Ihre Arbeiten verschiedener künstlerischer Medien wie Installation, Performance, Skulptur, Fotografie und Video wurden in Europa, Japan, China und den USA ausgestellt. Seit 2002 lebt sie mit ihrer Familie in Berlin.

In ihrer Einzelausstellung im Marburger Kunstverein sollen ältere Arbeiten mit neuen, extra für die Ausstellung konzipierten Medieninstallationen kombiniert werden. Für den großen Ausstellungsraum im Obergeschoss wird Susanne Kutter beispielsweise eine Medieninstallation zeigen, die sich aus mehreren Teilen zusammensetzt. Auf die rückseitige Stirnwand des Ausstellungsraumes (ca. zehn Meter breit) wird ein Video projiziert, dessen Grundidee auf einer beiläufigen Alltagsbeobachtung beruht. In größeren Juweliergeschäften werden jeden Abend kurz vor Ladenschluss von den Verkäuferinnen sämtliche Schmuckstücke aus der Schaufensterdekoration entfernt, um sie über Nacht im Safe einzuschließen. Diese harmlose Handlung, die dem Schutz der wertvollen Ware dient, aber doch an einen Juwelenraub erinnert, wird in einer Schaufensterdekoration für das Video nachgestellt. Am Ende bleibt eine gekonnt ausgeleuchtete, irreal erscheinende Szenerie zurück, die ihrer Funktion beraubt wurde und wie eine verlassene Miniaturbühne nach einer prachtvollen Aufführung wirkt.

Zusätzlich zu dem Video baut Susanne Kutter die vergrößerten leeren Sockel, Podeste und Bühnenaufbauten, die im Video zu sehen sind, als Skulpturenlandschaft im Verhältnis 10:1 im Ausstellungsraum nach. Die Vorlagen hat sie 2016 in einer Schaufensterdekoration in Mailand fotografiert. Sie stammen von Dior, Chanel und Vuitton. Man bewegt sich als Zuschauer vorbei an Reliquien einer glamourösen Inszenierung mit leeren Podesten, überdimensionierten Kissen und Bühnendekorationen. Die Halterungen für Ringe, Armbänder oder Uhren auf den Podesten erinnern in ihrer Form manchmal fast an Miniversionen von abstrakten Skulpturen. Die Szenerie im Video doppelt sich in der vergrößerten Skulpturenlandschaft des Raumes. Der Betrachter erlebt sich als verkleinerter Protagonist, der die monströse Bühnenkulisse bespielt, indem er sie betritt.

www.susannekutter.de

 

Die Ausstellung wird dankenswerterweise großzügig gefördert von: