11.Oktober 2024 - 4.Dezember 2024
pas tan de dem deux
AusstellungZu sehen sein werden sechs Kooperationen junger, herausragender Absolvent*innen des Instituts für Bildende Kunst der Philipps-Universität Marburg mit externen und etablierten Künstler*innen.
Das auf jeweiligen thematischen Schnittmengen basierende Zusammenwirken dieser künstlerischen Tandems wird nicht nur zeigen, dass kollegiale Dialoge im positiven Sinne aufregend und produktiv sind, sondern auch von den Arbeitsprozessen und den Ergebnissen sehr verschieden und vielgestaltig sein können. Ziel der von Prof. Klaus Lomnitzer kuratierten Ausstellung ist es, den in Marburg ausgebildeten Künstler*innen ein größeres Netzwerk zu ermöglichen und sie in Kontakt zu bringen mit künstlerisch für sie interessanten und etablierten Künstler*innen.
Die beteiligten Künstler*innen sind Julia Weißflog und Jenny Michel (Berlin), Nastaran Nazari und Cornelia Rößler (Mainz), Rubens Präg und Dieter Mammel (Berlin), Sarah Steger und Morgan Vallé (Paris), Miriam Wahl und Andreas Keil (Köln), Johann Zimmer und Andreas Gärtner (Frankfurt).
Julia Weißflog // Jenny Michel
Julia Weißflog, Scheinbar Unwichtiges XXII, 2022, Holzschnitt, Materialdruck, Linolschnitt, 86 x 61cm // Jenny Michel, Fallen Gardens, seit 2013, Text, Scotch-Tape, Maße variabel
Die Künstlerinnen Jenny Michel und Julia Weißflog bilden eines der Tandems der Ausstellung. Bei beiden Künstlerinnen steht das Überlagern von Information sowie die „Lesbarkeit von Welt“ im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit.Während Julia Weißflog dabei von der eigenen Erinnerung im Sinne einer personalen Archäologie ausgeht, speist sich Jenny Michels Arbeit aus einem Archiv gesammelter wissenschaftlich-technischer Zeichen zur Erklärung von Welt.Die Arbeiten fächern sich also auf der einen Seite in eine persönliche, auf der anderen Seite in eine gesellschaftlich-kulturelle Gedächtnislandschaft auf.Innerhalb der Ausstellung im Marburger Kunstverein werden diese beiden Positionen nun aufeinandertreffen.
Nastaran Nazari // Cornelia Rößler
Nastaran Nazari, In Bewunderung der Melancholie, 2020-21, Linolschnitt auf gefärbter Leinwand, Maße variabel // Cornelia Rößler, Kommode, 2023, Leuchtobjekt, 60 x 40 x 100 cm
Cornelia Rößler und Nastaran Nazari schaffen Installationen, die sich tiefgehend mit der menschlichen Identität auseinandersetzen. Nastaran nutzt kunstvoll gestaltete Stoffbahnen in Kombination mit unterschiedlichen Medien und Materialien, um den Einfluss von Erfahrungen, Gedanken aber auch Welt-Ereignisse zu erforschen, wobei der Fokus auf dem Entstehungsprozess liegt. Gleichzeitig transformiert Cornelia Gebrauchsgegenstände in leuchtende Objekte mit Nahaufnahmen menschlicher Haut. Die beiden Künstlerinnen bringen ihre individuellen Erfahrungen in einen kreativen Dialog, der in einer Installation mündet. Diese erkennt Gemeinsamkeiten, betont aber auch die einzigartige Geschichte jedes Werks.
Rubens Präg // Dieter Mammel
Rubens Präg, Waterworld, 2024, Pastell auf Leinwand, 300 x 200 cm // Dieter Mammel, Lifeline, 2022, Tusche auf Leinwand, 80 x 60 cm
Zwei Maler. Zwei Bilder. Ein Thema : das Meer.
Der eine malt mit Tusche auf nasser Leinwand das Wasser.
Der andere malt mit Pastell Menschen, die vor, über oder im Wasser sind.
Ein Bild ist Chaos. Ein Bild ist Ruhe.
Einatmen. Ausatmen.
Das Leben.
Und am Ende ist die Seele immer da, wo die Seele hingehört.
Sarah Steger // Morgan Vallé
Sarah Steger, Semi-permantent residency, 2022, Installation Rudolphsplatz, Marburg, 200 x 160 x 35 cm // Morgan Vallé, La Roue de l‘Infortune, 2018, Exposition BLACKHOLE, La Panacée, Montpellier, Mobile Skulptur, Ton, Performance
Das künstlerische Konzept für die Ausstellung im Marburger Kunstverein sieht eine Zusammenarbeit vor, welche die rein skulpturale Arbeit von Sarah Steger und die Klanginstallation von Morgan Vallé zu einer synästhetischen Erfahrung transformiert. Die Klanginstallation in Verbindung mit dem von Moskitonetzen inspirierten Baldachin aus Rasierklingen spiegeln sowohl den Wunsch wider, die Bequemlichkeit des Bettes zu verlassen, als auch die Angst, etwas Neues zu wagen. Die Auseinandersetzung mit der conditio humana in einer Zeit der Krise ist der Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit. Stegers Arbeit konzentriert sich auf die Negativität der Welt, wobei sie industriell gefertigte Materialien wie Stacheldraht, Glas und Eisen verwendet und diese zersetzt. Vallés Arbeit hingegen betont die positiven Möglichkeiten innerhalb dieser Negativität und konzentrieren sich auf kollektive Zusammenarbeit, menschliche Interaktion und den Kampf gegen Misstrauen.
Miriam Wahl // Andreas Keil
Miriam Wahl, Was Goldmarie sich hinter die Ohren schrieb, 2023, Gouache auf Papier, 32 x 24 cm // Andreas Keil, o.T., 2023
Das Tandem Keil/Wahl lässt sich auf einen gemeinsamen Bildprozess ein – vom Anderen vorbereitete Bildträger werden als Fundstücke weiterbearbeitet und zwischen Köln und Frankfurt hin- und hergeschickt. Das Auffinden und Verwandeln von Bildhaftem in Fotografie und Malerei steht im Zentrum des Austausches.
Johann Zimmer // Andreas Gärtner
Johann Zimmer, er ikke hjemme, 2023 (Detail) // Andreas Gärtner, Plateau am Ereignishorizont, 2023, Serie aus 12, Direkt Fine Art UV Pigment Print auf Alu Dibond, 100 x 75 cm
Für die Ausstellung „Pas Tan De Dem Deux“ im Marburger Kunstverein haben Andreas Gärtner und Johann Zimmer an einem gemeinsamen Konzept zum Thema Raum, Zeit und Post-Vandalismus gearbeitet. Im Verlauf des dialogischen Arbeitsprozesses sind Bilder und Skulpturen entstanden, die in der Ausstellung miteinander in eine räumliche Interaktion treten.
Die Erfahrungen aus der Vergangenheit prägen die Gegenwart, während die gegenwärtige Reflexion die Gestaltung der Zukunft beeinflusst. In diesem Kontext sind die Künstler zu Zeitreisenden geworden, die nicht nur die Erinnerung reflektieren, sondern auch Visionen möglicher Entwicklungen vorwegnehmen. Dabei offenbart sich die Zeit als eine ständige, nichtlineare Bewegung, geprägt von verschiedenen Ebenen, Wirbeln und Schleifen. So finden auch im Post-Vandalismus beschädigte, zerstörte oder gefundene Objekte nicht ihr Ende, sondern transformieren sich zu etwas Neuem. Dabei entsteht eine meta(physische) Synthese aus Vergangenheit und Gegenwart. Der Betrachter wird dazu angeregt, nicht nur die Oberfläche zu betrachten, sondern durch die Geschichte hinter den Einzelteilen und deren Wandel zu einem neuen Ganzen, in eine immersive Zukunft zu schauen.
Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, 11. Oktober 2024, um 18 Uhr laden wir herzlich ein.
Für Unterstützung danken wir: