Jahresrückblick

14.Dezember 2018 - 31.Januar 2019

Friederike Walter und Jochen Mura

Ausstellung

Die Bilder der Frankfurter Malerin Friederike Walter spielen mit verschiedenen Raumperspektiven, sind Kompositionen aus geometrischen Flächen, gegenständlich, aber nicht figurativ. In ihren fein nuancierten lichten und dunklen Farbwerten tendieren sie zur reinen Malerei.

Jochen Mura aus Aachen bewegt sich zwischen und in den Genres Malerei, Skulptur, Fotografie und Architektur, um gezielt deren Aussagefähigkeit zu prüfen und Grenzen auszureizen.

Friederike Walter

Jahrgang 1975, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Sie studierte an der Hochschule für Gestaltung Offenbach bei Prof. Heiner Blum. Weitere Studienaufenthalte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Jan Dibbets sowie an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei Prof. Eva Schlegel.

www.friederikewalter.de

„Zwischen dem, was wir sehen und dem, was wir wahrnehmen, liegt die Essenz von Friederike Walters Kunst. Ihre Gemälde beschreiben auf reduzierte Weise Raum und Licht. In ihrer Beschaffenheit geben sie ein gleichermaßen irritierendes wie stimulierendes Rätsel auf, weil sie subtil zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion der Raumwahrnehmung changieren. Der Raumeindruck bleibt stets vage und versetzt den Betrachter in einen spannungsreichen Schwebezustand. Flächen und Konturen bilden zwischen Schärfe und Unschärfe feine Kontraste aus. Schräg gesetzte Ausschnitte und ungewöhnliche Perspektiven versetzen die Raumgefüge in Bewegung. Licht- und Schattenwürfe verleihen den Gemälden den flüchtigen Charakter einer Momentaufnahme. Sie lassen uns innehalten.“ (Nina Mößle)

Abb.: Friederike Walter, Das Himbeerreich, 2014, Öl auf Leinwand, 180 x 120 cm

 

Jochen Mura

Jahrgang 1968, lebt und arbeitet in Aachen. Seit 2000 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.

www.jochenmura.de

Muras Werkschau aus Objektensembles und Wandarbeiten zeigt vor allem eines: Der Raum ist nicht einfach „da“, ist nicht schlechterdings „vorhanden“. Denn auch wenn die Alltagswahrnehmung dies unbeirrt als die eigentliche Erfahrung nehmen will: Der Raum ist keine Gegebenheit. Er muss sich allererst eröffnen, ist insofern immer ein Möglichkeitsraum, der erschlossen werden will oder uns verschlossen bleibt – was mitnichten einen Gegensatz darstellt. Jochen Mura inszeniert das Sprachspiel, das der Raum für seinen Betrachter immer auch bedeutet, als doppelbödige Anspielung. Was als kühl berechnete oder verspielt angedeutete ästhetische Sinnstiftung vor unseren Augen Gestalt anzunehmen und als solche greif- und also begreifbar zu werden scheint, verweigert gleichzeitig den vermeintlich eingeräumten Zugang. Dadurch wirkt die Ordnung der Dinge, die Mura etwa durch Zitate vor allem der modernistisch-architektonischen Formensprache aufruft, irritierend und enttäuschend. Mura thematisiert so das Andere der permanenten räumlichen Präsenz: eben die Leere, den Mangel als das, was der Raum mutmaßlich umschließt, was er verbirgt, worauf er verweist, auf die Leerstelle, die ihm möglicherweise innewohnt.

In anderen Arbeiten Muras scheint der Raum wie zurückgedrängt, ins Ornamentale verflüchtigt, ein selbstgenügsames Spiel der Formen. Wie bei den „Blackouts“, eine Reihe großformatiger Vorhänge, die Jochen Mura mit verschiedenen Fassadenentwürfen versieht und teilweise perforiert. Der Vorhang, der eigentlich der Dosierung von Licht sowie der Abwehr fremder Blicke an der Schwelle von privater und öffentlicher Sphäre gilt, wird somit zu einem mehrdeutigen, durchlässigen Bildmedium im Raum. Aber auch hier wie in der eigens für die Marburger Ausstellung entworfenen und vor Ort fertiggestellten Wandarbeit „Absorber“, die den Rapport eines einzigen Bildes zu einem sich gleichzeitig verschließenden wie öffnenden Mauermotivs verdichtet, wird deutlich, dass Jochen Mura uns die Räume und die sie bevölkernden Dinge niemals eindeutig vorführt, sondern stets als komplexe Vexiere der Wahrnehmung.

Abb.: Jochen Mura, Überwurf M 2, 2017-18, Spiegelglas, Stoff, Holz, 86 x 100 x 64 cm

 

Ausstellungseröffnung: Freitag, 14.12.2018, um 18 Uhr. Es spricht Dr. Stefan Rasche, Berlin.

Zeichnen am Abend: Montag, 7.1. und Donnerstag, 17.1.2019, jeweils um 18 Uhr

Finissage mit Künstlergespräch: Donnerstag, 31.1.2019, um 18 Uhr

16.Februar 2019, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr

2 Kontrabässe

Experimentelle Musik

Ulrich Phillipp und Georg Wolf:  Die beiden hessischen Kontrabassisten verbindet eine langjährige Zusammenarbeit in verschiedenen Improvisationsensembles und als Duo. – Der Kontrabass hat sich wegen seiner klanglichen Möglichkeiten im 20. Jahrhundert zu einem beliebten Soloinstrument entwickelt. Erst recht erlebbar ist dies, wenn das Instrument gleich doppelt vorkommt …

8.Februar 2019 - 28.März 2019

Emilia Neumann und Urban Hüter

Ausstellung

Die Arbeiten von Emilia Neumann zeigen eine spannungsreiche Vielfalt. Mittels der Verwendung industrieller Formen und deren in Gips gegossene Übersetzung zum originären künstlerischen Objekt, bieten ihre Arbeiten durch ihre farbliche und formale Struktur einen Nährboden für subjektive und assoziative Zuschreibungen. Darüber hinaus fordern sie eine wechselseitige Auseinandersetzung zwischen Original und Abdruck, Bewegung und Starrheit, Oberfläche und Tiefe und nicht zuletzt Fragment und Ganzes ein. Vom Aufbrechen vorgefertigter Formen bis hin zur individuellen künstlerischen Geste vereint Emilia Neumanns Werk eine grundlegende Auseinandersetzung mit den Gegenständen unseres Alltags und deren künstlerischer Transformation.

In der Ausstellung zeigt sie eine experimentelle bildhauerische Auseinandersetzung, in der sie die Beziehung von Raum und Zeit sowie die Vorstellungen von Wirklichkeit und Materialität in Frage stellt. (Christin Müller)

Emilia Neumann (geb. 1985 in Offenbach) studierte von 2006-2013 an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und an der Facultad de Bellas Artes Alonso Cano in Granada, Spanien Bildhauerei. 2013 machte sie ihr Diplom bei Prof. Wolfgang Luy in Bildhauerei und bei Prof. Dr. Marc Ries in Soziologie / Theorien der Medien. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt.

www.emilianeumann.de

Abb.: ever growing ruins, 2019, Gips, Stahl,Pigment, Aluminium, Armierungsgitter, Glasfaser, Walnussextrakt, Eisenspäne, 1000 x 4000 x 100 cm

Urban Hüter arbeitet mit anthropogenen Werkstoffen und mit vorgefundenen industriell hergestellten Gegenständen. Diese montiert, addiert und komponiert er zu dreidimensionalen Skulpturen in allen Formaten. So entstehen Entitäten, die von einer starken integrativen Kraft zeugen und sich zugleich nahe am Rande eines Zusammensturzes befindend, bei aller fragilen Unsicherheit dennoch behaupten. Es sind immer wieder mutierende, amorphe Materialassemblagen, voluminöse, teils raum- greifende Akkumulate. Der Körper, der Organismus, kulturelle Ereignisse, Ikonen und Glaubenssymbole spielen in diesen Arbeiten eine entscheidende Rolle. Die Werke verwehren sich dabei weder einer narrativen Darstellung, noch jeglicher symbolischer Referenz. Wirkung und Interpretationsoffenheit sensibilisieren somit für Wahrnehmung und Hinterfragen gesellschaftlicher Strukturen und deren ökologischer Folgen.

Urban Hüter (geb. 1982 in Frankfurt) studierte an der Akademie der Bildenden Künste In Nürnberg und beendete sein Studium 2013 in der Klasse freie Bildhauerei als Meisterschüler bei Prof. Ottmar Hörl. Er lebt und arbeitet in Frankfurt und Nürnberg.

Abb.: there‘s no place like…, 2017, Kunststoff, Aluminium und Stahl, 520 x 850 x 310 cm

Ausstellungseröffnung: Freitag, 8.2.2019, um 18 Uhr. Es spricht Lina Louisa Krämer, Kunsthalle Mainz.

Zeichnen am Abend: Donnerstag, 28.2. und Montag, 11.3. 2019, jeweils um 18 Uhr

Finissage mit Künstlergespräch: Donnerstag, 28.3.2019, um 18 Uhr

 

Dieses Projekt wird dankenswerterweise unterstützt von:

ART-regio Kunstförderung der SparkassenVersicherung Holding AG

13.April 2019, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr

between the lines

Experimentelle Musik

Lesley Olson, Flöten: Das Soloprogramm „Zwischen den Zeilen“ ist für einen Ausstellungsraum konzipiert. Die Werke sind alle Musikräume, die fern herkömmlicher Notation neue Wege ausloten: Mal wird die klassische Notation durch eine grafische Strukturangabe ersetzt, mal wird eine Werkidee mündlich überliefert und improvisatorisch realisiert, mal ist es eine prozessorientierte Werkentstehung zwischen Komponist und Flötistin.

Lesley Olson, geboren in Chicago/USA, studierte Querflöte und Komposition an der University of Illinois, wo sie den Bachelor of Music with honors erhielt und später zum Doctor of Musical Arts mit einer Dissertation über die Pädagogik der zeitgenössischen Flötenmusik promovierte. 1990 verlegte sie ihren Lebensmittelpunkt nach Deutschland. Konzertreisen und Festival-Einladungen führten sie durch Europa und die USA bis nach Japan und Südamerika. Mehrere Komponisten vertrauten ihr Uraufführungen neuer Solowerke an. 1992 gründete sie das WOLPE TRIO, mit dem sie über 60 neue Werke zeitgenössischer Musik uraufführte.

1990-2002 unterrichtete sie Querflöte und Neue Musik an der Universität Kassel und lehrt seit 2011 Improvisation an der Folkwang Universität der Künste Essen. Seit 2004 leitet sie Schulkooperationen mit der Philharmonie Essen und arbeitet dort seit 2010 im Bereich der Konzertpädagogik.

15.Mai 2019, 20:00 Uhr - 20:00 Uhr

Augen-Blick. Blaue Linse Marburg

Ausstellung

Ende der Ausstellung des Marburger Kunstvereins im Erwin-Piscator-Haus (Biegenstr. 15, 35037 Marburg) im Rahmen von Photo.Spectrum.Marburg am 15. Mai 2019

Künstlerinnen und Künstler: Armin Bender, Erhart Dettmering, Andrea Freisberg, Heike Heuser, Reinhard Keller, Thomas Kämpchen, Friedemann Korflür, Peter Marx, Benjamin Müller-Suiter, Gudrun Niessner-Wild, Susanne Saker, Christian Schmetz, Edgar Zieser

Eröffnung am Donnerstag, 7. März 2019, um 18 Uhr

Grußworte: Dr. Gerhard Pätzold, Vorsitzender des Marburger Kunstvereins und Kirsten Dinnebier, Stadträtin

Einführung: Eva Lange und Carola Unser, Intendantinnen des Hessischen Landestheater Marburg

Die Ausstellung wird gezeigt vom 7.3. – 15.5.2019

Öffnungszeiten: Mo – Sa 9-20.30 Uhr, So 10-20.30 Uhr

Augenblick-Einladungskarte

5.April 2019 - 23.Mai 2019

Atelier Editions FANAL Basel

Ausstellung

Das Atelier FANAL befindet sich in der Basler Altstadt am Rheinufer in einem jahrhundertealten Gebäude in unmittelbarer Nähe der Basler Papiermühle.

FANAL wurde 1966 von Marie-Thérèse Vacossin und Marcel Mazar, einer Künstlerin und einem Künstler aus Paris, in Basel gegründet. Dabei verfolgten sie das Ziel, einen kreativen Begegnungs- und Arbeitsort zu schaffen, einen Ort des «Sehen-Lernens», des gemeinsamen Experimentierens und des Gedankenaustausches. So erteilte Marie-Thérèse Vacossin neben ihrer künstlerischen Tätigkeit auch viele Jahre lang Malkurse.

1978 wurden Druckpressen und anderes Material angeschafft, um künstlerische Editionen herausgeben zu können. In dieser Werkstatt kamen die Techniken des Siebdrucks und der Radierung, fokussiert auf Werke der konkreten Kunst, zur Anwendung. Großen Wert wurde dabei stets auf eine äußerst präzise, sorgfältige handwerkliche Ausführung gelegt. Bis heute wurden zahlreiche Kunstbücher, Mappen und Einzelblätter von rund 80 nationalen und internationalen Künstlern und Künstlerinnen, stets in kleiner Auflage, verlegt.

Neben dieser künstlerischen Aktivität werden drei bis vier Mal jährlich in den eigenen Räumen, im «Espace FANAL», Ausstellungen von Originalarbeiten unserer Künstlerinnen und Künstler veranstaltet. Seit über 20 Jahren nimmt «Atelier Editions FANAL» an der Art Basel teil.

www.fanal.ch

Für die Ausstellung im Marburger Kunstverein wurden Druckgraphiken folgender Künstlerinnen und Künstler aus den Editions FANAL ausgewählt:

Frank Badur (D), Ode Bertrand (F), Carlos Cruz-Diez (Venezuela), Gerhard Doehler (D), Rita Ernst (CH), Christoph Freimann (D), Hansjörg Glattfelder (CH), Gottfried Honegger (CH), Vera Molnár (F), François Morellet (F), Meret Oppenheim (CH), Axel Rohlfs (D), Vera Röhm (CH), Klaus Staudt (D) und Marie-Thérèse Vacossin (F).

Skulpturen von Rita Ernst, Christoph Freimann, Gottfried Honegger, Sigurd Rompza und Thomas Vinson erweitern diese Präsentation.

Auf einem Tisch sind zudem hochwertige Künstlerbücher der Editions FANAL von Jean Gorin (F), Suzanne Feigel (CH) und Thérèse Vacossin (F), Aurélie Nemours (F), André Heurtaux (F), Verena Loewensberg (CH), Meret Oppenheim (CH), Marischa Burckhardt (CH) und François Morellet (F) anzusehen.

FANAL-Einladungskarte

Eröffnung: Freitag, 5.4.2019, um 18 Uhr

Es sprechen Danielle Harder (FANAL Basel) und Sigurd Rompza (Neunkirchen)

Öffnungszeiten an den Feiertagen:

Karfreitag und Ostersonntag jeweils 11 – 17 Uhr, Ostermontag geschlossen

Zeichnen am Abend: Montag, 13.5.2019, um 18 Uhr

Finissage der Ausstellung: Donnerstag, 23.5.2019, um 18 Uhr

8.Juni 2019, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr

In sechs Richtungen

Experimentelle Musik

Eva Zöllner, Akkordeon, Zuspielband und Liveelektroni: Die Akkordeonistin Eva Zöllner geht mit fünf KomponistInnen auf die Suche nach musikalischen und persönlichen Identitäten und zeigt ein breites Spektrum des zeitgenössischen Musikschaffens für ihr Instrument. Dabei spielt der interkulturelle Diskurs ebenso eine Rolle wie das kreative und humorvolle Spiel mit bestimmten Klischées, die auch und gerade mit diesem Instrument verbunden werden …

14.Juni 2019, 18:00 Uhr - 23:59 Uhr

Nacht der Kunst

Gemeinsam mit den Marburger Museen und Sammlungen der Philipps-Universität, den Marburger Galerien, Kunstforen, Ateliers und vielen weiteren Ausstellungsräumen veranstaltet der Marburger Kunstverein die Marburger Nacht der Kunst am Freitag, 14. Juni 2019, von 18 bis 24 Uhr.

Vernissagen, künstlerische Präsentationen, Lesungen, Mitmachangebote, Live-Musik, Filme, Vorträge und Gespräche in den verschiedenen Ausstellungsorten begleiten diese 18. lange Nacht der Kunst.

Alle Besucherinnen und Besucher können das vielfältige Ausstellungsangebot in der Universitätsstadt Marburg erleben.

An diesem Abend ist in allen Ausstellungshäusern freier Eintritt.

Nacht der Kunst Flyer

31.Mai 2019 - 18.Juli 2019

Akademie der bildenden Künste München

Ausstellung

L’artiste devant sa toile

oder: Wie einen Titel für eine Ausstellung finden, die keinen Überbegriff hat

Eine Ausstellung aus lauter guten Werken. Kein Konzept. Kein Metatext. Nur gute Einzelarbeiten, die sich zu einem ästhetischen Ganzen orchestrieren. Wie soll das gehen im Zeitalter der Zeichenflut? Wo alles schon längst alles bedeutet? Solche Fantasien können im Jahr 2018 nur Künstler*innen haben. Und nur solche, die eine Vorstellung von einem Werk haben, das sich auch noch von etwas anderem nährt, als nur von Zeichen.

Pola Sieverding, Marc Aurel und Michael Hofstetter haben eine solche Ausstellung zusammengestellt. Sie trafen sich an einem sommerlichen Sonntag 2018, anlässlich der Jahresausstellung der Münchner Akademie, um auf Einladung des Kunstvereins Marburg Werke von Studierenden für eine Ausstellung auszusuchen. Es ist ihr erstes Treffen. Sie haben weder vorher zusammen gesoffen noch sich über Kunst unterhalten. Keiner der drei weiß, was der andere für Vorlieben hat. Ihr Rundgang beginnt im Gartenhaus des Akademiegartens. Erstes Tasten bei den hier gezeigten von der Wand herabhängenden sprechenden Puppen einer jungen Künstlerin. Erstmal schauen. Schweigen. Was sagen? Zieht man jetzt gleich die Keule der Kunstgeschichte heraus oder lässt man sich ein auf das Werk, die Situation, den Raum? Registrieren, wie die anderen beiden reagieren. Offene Verhaltenheit. Wie beim ersten Rendezvous. Vorsichtige erste Äußerungen des Gefallens. Leichte Abers dagegen. Einstimmen auf ein Votum wie beim Finden des gemeinsamen Tons. Der Rundgang nimmt Fahrt auf. Bei jedem weiteren Werk ist die Abstimmung schon sicherer.

Nur ein guter Beobachter könnte sagen, was die drei Künstlerkurator*innen trägt. Es gibt einen roten Faden in ihrer Auswahl. Ökonomie und Klarheit in der Entwicklung des Werkes, Wille zur Gestalt und zur Form, hohe Materialsprachlichkeit, Verankerung in der Zeitgenossenschaft. Eine ausgewogene Balance zwischen Konzeptualität und Sinnlichkeit, das Fluidum der Akademie München. Eine Balance, die sich schon in Schellings Gründungsschrift findet.

Die mimetische und habituelle Vorgehensweise wird mit den Mitstudierenden und den Lehrer*innen in gemeinsamen Gesprächen reflektiert. Materialität, Stofflichkeit, Gestalt und Form wird hinterfragt durch Wahl und Verfahren. Konzeptuelle Strategien rahmen den sinnlichen Zugang und Zugriff ein.

Zwischen Versuchslabor und Kunstmarkt bewegt sich die Jahresausstellung, die Pola Sieverding, Marc Aurel und Michael Hofstetter gerade durchwandern. Inzwischen hat ihr Aussuchen an Leichtigkeit gewonnen. Verwundert stellen sie fest, wie sehr sie jenseits einer gemeinsamen Programmatik sich über und in der jeweiligen Arbeit verständigen können. Nach sechs Stunden steht ihre Auswahl fest und sie können an der Bratwursttheke im Garten des klassizistischen Neureuther-Baus den Sommerabend genießen.

4 Monate später. Sieverding, Aurel und Hofstetter schauen gemeinsam mit den Künstler*innen die Werkauswahl an. Sie staunen, wie griffig die Auswahl ist. Sie haben immer noch keine theoretische Klammer, keinen Titel. Was tun? Hofstetter fragt, auf welche Künstler*in sich die meisten Lehrenden der Akademie wohl verständigen könnten. Pablo Picasso. Er würfelt. 1938. L’artiste devant sa toile.

Ausstellungseröffnung: Freitag, 31.5.2019, um 18 Uhr

Zeichnen am Abend: Montag, 17.6.2019, um 18 Uhr

Finissage der Ausstellung: Donnerstag, 18.7.2019, um 18 Uhr

 

Flyer_Ausstellung-Akademie-München

 

Die Ausstellung wird dankenswerterweise großzügig unterstützt von:

8.August 2019, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr

Marise Maués Gomes

Bildprojektion und Künstlergespräch

Vorstellung der Fotografin und Performance-Künstlerin Marise Maués Gomes aus Belém/Brasilien im Gespräch mit Dr. Karin M. Naase.

Eine Veranstaltung des Marburger Kunstvereins und des Themenforum Nachhaltigkeit Marburg

Donnerstag, 8. August 2019, um 18 Uhr

Die Fotografin und Performance-Künstlerin Marise Maués Gomes aus dem Amazonasstaat Pará (Brasilien) verfügt über einen einzigartigen Blick auf die sie umgebende Welt. Pointiert und poetisch zugleich sieht sie den Açaíbeeren-Pflückern und -Trägern bei der Arbeit zu. Sie nimmt uns mit auf die Reise zum artesanalen Goldabbau, der gekennzeichnet ist durch große Strapazen für die Goldsucher. Die Natur und insbesondere die Flüsse sind Gegenstand für ihre Sinnsuche in ihren Performances.

Marise hat ihre Bilder außer in Pará und São Paulo bereits in Montevideo in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Sie hat mehrere Preise für ihre künstlerische Arbeit gewonnen, z.B. 2015 den Prêmio Diário Contemporâneo de Fotografia.

Die Bilderpräsentation in Marburg ist für die Künstlerin der erste Auftritt in Europa.

Einladungskarte-M-M-Gomes

 

Die Veranstaltung war mit 70 Gästen sehr gut besucht. Marise zeigte Bilder aus ihrer Heimat, allem voran die „kleinen Leute“ wie Fischerfrauen, Sammler und Goldschürfer sowie Fotos einer Performance – ein Protest gegen die Zerstörung der Altstadt von Belém. Den Abschluss bildete der Film über eine Performance von Marise in einem gezeitenabhängigen Flusslauf, der sich mit der Bedeutung der Natur für das menschliche Leben beschäftigt. Dieses ungewöhnliche Format – Verbindung von Kunst und Politik der Nachhaltigkeit – wurde vom Publikum sehr gut aufgenommen und macht Lust auf mehr Veranstaltungen dieser Art. Das Themenforum Nachhaltigkeit bedankt sich bei Gerhard Pätzold vom Marburger Kunstverein, der die Veranstaltung in den Räumen des Kunstvereins ermöglichte, und Thomas Fatheuer, der von Portugiesisch in Deutsch dolmetschte, und natürlich der Künstlerin Marise Maués selbst.

 

26.Juli 2019 - 12.September 2019

Boris Becker. Fotografie

Ausstellung

In der Ausstellung „Wüstenbilder“ zeigt Boris Becker zwei fotografische Serien, die im Norden der Westsahara, in Smara, entstanden: Im Februar 2007 reiste Boris Becker auf Einladung der UNO-Flüchtlingshilfe dorthin und dokumentierte mit seiner Kamera die Flüchtlingslager der Saharauis. Ihre kargen Lebensbedingungen verdeutlichen seine Bilder der „Goatstables“ und der „Gasstations“ – einfache architektonische Gebilde in provisorischer Konstruktion aus gefundenen Materialien, Metallschrott, notdürftig geflicktem Maschendraht und Steinen.

Die Fotografien von Boris Becker auf den Spuren der Reisen Lawrence von Arabiens aus dem Jahr 2010 dokumentieren die historischen Orte und geben Eindrücke vom Umfeld der Ereignisse und Aktivitäten von Thomas Edward Lawrence (1888-1935) in seiner Zeit als Archäologe und Burgenforscher um 1910 wieder. Zu Fuß und allein war er als Student der Geschichte an der Universität Oxford durch Syrien und Palästina gereist und bereitete währenddessen sein Buch „Die Sieben Säulen der Weisheit“ vor, das ursprünglich als Reisebuch über sieben Städte des Orients geplant war und 1926 in veränderter Form als Erfahrungsbericht über den Krieg erschien.

Im Gegensatz zu den Reisefotografien des privaten Gebrauchs vermitteln die Fotografien von Boris Becker nicht ein dokumentarisches „Ich war hier!“. Auch würden sie kaum in der Lage sein, einen Reiseführer zu illustrieren, der die Sehenswürdigkeiten eines Landes vorstellt. Vielmehr zeigen diese Aufnahmen die Oberflächen, die Beschaffenheit des Gesehenen – und somit doch etwas Typisches dieser exotischen ‚Territorien‘. Jede der Aufnahmen zeigt die spröde Trockenheit der Region, gepaart mit der Klarheit des Lichts, das die Oberflächen zum Leuchten bringt. Die Fels- und Wüstenformationen breiten sich wie die flächigen Kulissen eines Dioramas aus.

Diese Flächigkeit ist eines der wichtigsten Stilmittel des Fotografen, denn sie schützt den Betrachter davor, durch das Bild quasi hindurchzuschauen auf das Motiv. Die Flächigkeit macht uns deutlich, dass es um Bilder geht, um Gemachtes, um Fotografien, und nicht um die vemeintlichen Landschaften selbst.

Boris Becker (geb. 1961 in Köln) studierte von 1982-84 an der Hochschule der Künste Berlin und von 1984-90 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd Becher. Meisterschüler 1988. Seit 1989 zahlreiche Preise und Stipendien sowie Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland. Verschiedene Publikationen wie Territorien 1998, Geräumtes Gelände 1995. 2005-06 Gastprofessur an der HfK Bremen. 2010-11 Vertretungsprofessur an der Kunsthochschule für Medien, Köln. Er lebt und arbeitet in Köln.

www.boris-becker.com

Abb.: Wadi Rum, 2010, c-print Diasec, 140 x 230 cm, Edition 5 + 1 AP

Einladungskarte_Boris-Becker_Marburger-Kunstverein

Ausstellungseröffnung am Freitag, 26.7.2019, um 18 Uhr.

Zur Einführung spricht: Prof. Dr. Klaus Schneider, Direktor a.D. Rautenstrauch-Joest-Museum_Kulturen der Welt, Köln

Öffentliche Führungen jeder Samstag ab 16 Uhr mit Friederike Hagel

Zeichnen am Abend am Donnerstag, 22.8.2019, um 18 Uhr

28.September 2019, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr

in dubio pro duo

Experimentelle Musik

Günter Heinz, Posaune und Albert Kaul, Clavichord: Auf den ersten Blick zwei Instrumente, die überhaupt nicht zueinander zu passen scheinen. Gerade dies jedoch ist für die beiden Musiker Anlass und Auftrag zugleich: Können diese beiden Instrumente, die aus so verschiedenen Richtungen kommen, überzeugend musikalisch zusammenarbeiten? Kann gerade aus dieser Verschiedenheit eine besondere Kraft erwachsen?

1.Oktober 2019, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr

Kunst aus Georgien: Architektur, Malerei, Dichtung

Vortrag

Eine neue Kultur kennenlernen? Etwas, was einzigartig ist? Georgien, ein Land im Kaukasus mit einer 3000-jährigen Geschichte, tiefer Religiosität und interessanter Kunst. Eine Kultur, die keiner ähnlich ist, ein Kreuzpunkt von Ost und West, von Europa und Asien.

Der Theaterregisseur Valerian Gorgoshidze aus Tiflis und Malte Schuchardt, Georgien-Kenner aus Marburg, werden die Kunst und die Kirchenbauten dieses Landes präsentieren und georgische Sprache in rhythmischer Dichtung vorstellen.

Der Eintritt ist frei.