Jahresvorschau

20.September 2019 - 7.November 2019

Sonja Edle von Hoeßle und Herbert Mehler

Ausstellung

Die prägnanten Skulpturen von Sonja Edle von Hoeßle sind aus Cortenstahl ohne Anfangs- und Endpunkt als Endlosschleife verschweißt. Sie verändern ihr Erscheinungsbild mit der Bewegung und dem Blickwinkel des Betrachters. Zugleich wandeln sich die Durchblicke und die ausschnitthafte Rahmung des umgebenden Raumes. Sie sind gleichsam Zeichnungen im Raum. Das entscheidende Spannungsmoment verdanken die Endlosschleifen dem Wechselspiel von Spannung und Entspannung, verkörpert durch gerade und gebogene Abschnitte. Momente der Ruhe, des Auflagerns auf den geraden Elementen wechseln mit solchen der Beweglichkeit, des Schwingens und Ausbalancierens auf den gebogenen Teilen.

Sonja Edle von Hoeßle (geb. 1960 in Wiesbaden) studierte bis zum Diplom 1992 Visuelle Kommunikation an der FH Mainz und der FH Würzburg, Fachbereich Gestaltung. 1993 machte sie sich mit der Metallmanufaktur „two hands“ selbständig und hatte 2008-11 ihr Atelier in Berlin. 1996 erhielt sie den Debutantenpreis des Bayerischen Staatsministeriums, 1998/99 die Atelierförderung des Bayerischen Kulturfonds, 2003 den Kulturförderpreis der Stadt Würzburg und 2016 den PEMA-Kunstpreis des Kunstvereins Bayreuth in der Sparte Skulptur.

2015 gründete sie zusammen mit Herbert Mehler das „Erbachshof art project“ in Eisingen bei Würzburg, wo die beiden ebenso wie in Kranidi / Griechenland gemeinsam leben und arbeiten.

www.edle-von-hoessle.com

Abb.: Endlosschleife 9XV, 2018, Cortenstahl, 260 x 240 x 310 cm

 

Die Skulpturen von Herbert Mehler haben Faltungen, die wie Plissée anmuten, Falzungen, die an Lampions denken lassen, sie formieren sich zu symmetrischen Plastiken aus Stahl, deren Formen Früchten, Samenkapseln und Blütenstängeln gleichen, dann wieder erinnern sie an Körperformen der menschlichen Figur: In seinem Werk erfasst der Bildhauer Herbert Mehler das Wesen der Dinge und überträgt es in seine Objekte. Steht man den Skulpturen eines der namhaftesten Bildhauer der Gegenwart gegenüber, verspürt man den Impuls, diese berühren zu wollen. Darin wohl liegt die Magie, die diese große Kunst in sich trägt: Sie berührt ihr Gegenüber leise und subtil auf der Ebene der Kinästhetik. Der harte, von Rost überzogene Stahl erfährt eine Metamorphose. Durch die Hände des Bildhauers verwandelt sich seine Härte und wird „gefühlt“ weich, eine vitale rhythmische Bewegung entfaltet sich und gibt Leben wider. Fast scheint es, als schwebten die großen Formen im Raum, die Leichtigkeit des Seins zitierend und es ist, als seien hier die Dinge nicht in Zerfall und Auflösung begriffen, vielmehr stehen sie an der Grenze zur Unendlichkeit.

Seit Ende April 2018 steht Herbert Mehlers „ appianamento grande“ als Außenskulptur auf dem Vorplatz des Marburger Kunstvereins.

Herbert Mehler (geb. 1949 in Steinau bei Fulda) erhielt 1964-68 eine Ausbildung bei seinem Vater, dem Holzbildhauer Franz Mehler und studierte 1972-76 an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Er erhielt 2007 den Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten sowie den Kulturpreis der Stadt Würzburg und im Jahr 2008 den 1. Preis „Skulpturen im Park“ in Stadt Mörfelden-Walldorf.

www.herbert-mehler.com

Abb.: appianamento grande, 2013, Cortenstahl, 360 x 154 x 106 cm

 

Termine:

20.9.2019, 18 Uhr: Ausstellungseröffnung

17.10.2019, 18 Uhr: Künstlergespräch mit Sonja Edle von Hoeßle und Herbert Mehler

26.9. und 21.10.2019, jeweils 18 Uhr: Zeichnen am Abend

Einladungskarte_vHoessle-Mehler

15.November 2019 - 9.Januar 2020

beZEICHNENd

Ausstellung

Matthias Beckmann / Katja Davar / Barbara Hindahl / Renate Neuser / Eva von Platen / Peter Torp / Brigitte Waldach, Berlin

Die für diese Ausstellung ausgewählten Künstlerinnen und Künstler nutzen das Medium der Zeichnung, um Denkräume zu entwickeln, Sinnfragen zu reflektieren, philosophische Themen zu analysieren, Absonderlichkeiten der Natur zu erforschen, Widersprüchen auf die Spur zu kommen und eigene Erfahrungen ironisch zu brechen.

Die streng linearen Bleistiftzeichnungen und Radierungen von Matthias Beckmann (geb. 1965 in Arnsberg, Studium in Düsseldorf / Stuttgart, Lehraufträge in Berlin, Darmstadt, Dortmund, Halle), meist in Serien angelegt, spielen mit Gestaltungsmitteln, die wir aus Fotografie und Film zu kennen scheinen – wechselnde Perspektiven, zuweilen willkürlich erscheinende Realitätsausschnitte, das Zoomen zwischen Totale und Detail, das Umkreisen von Objekten in der Art einer Kamerafahrt. Er interessiert sich für das Eindringen des Banalen in eine oftmals als weihevoll oder sozial herausgehoben empfundene Situation und kennt dabei keine Bedeutungsunterschiede zwischen den abgebildeten Gegenständen. „Ich habe Spaß am Zeichnen, wenn die Linie flüssig und scheinbar wie von selbst läuft und sich zuweilen aus der Beobachtung des Zusammentreffens von Aura und Alltag Komik entwickeln kann.“

Im Zentrum des Werks von Katja Davar (geb. 1968 in London, Studium in London / Düsseldorf / Köln, Professur in Mainz) steht die Auseinandersetzung mit zeichnerischen Systemen und Prozessen. Technologische, ökologische, ökonomische wie wissenschaftliche Erkenntnisse oder Thesen werden in großformatigen Zeichnungen und minutiös produzierten Animationen komplex umgesetzt.

Katja Davar unterminiert die mannigfachen Versuche, Welt und Wirklichkeit schematisch darzustellen, sie fassbar, erklärbar, kontrollier- und prognostizierbar zu machen. Statt auf Vereinfachung zielt ihr wilder Mix unterschiedlicher Stile, Bildtraditionen und Referenzen auf Verkomplizierung, widersetzt sich ihr Werk reflektiert und ironisch gebrochen der Faszination einfacher Erklärungsmuster. (Astrid Wege)

Barbara Hindahl (geb. 1960 in Rheinhausen/Ruhgebiet, Studium in Heidelberg / Karlsruhe, Lehraufträge in Mannheim, Hannover) hat sich die Mühe gemacht, jedes Staubkorn zu untersuchen, jedes Härchen, jede Fluse und die allerfeinsten Splitter. Je nachdem, wie sie den Fokus einstellt, entstehen fast homogen verteilte Elemente auf dem Papier oder Anhäufungen, dichtere Staubfelder, Cluster von Schmutz, schwarz auf weiß, die invertiert und mit etwas Phantasie wie die Milchstraße oder der Andromedanebel am nächtlichen Firmament erscheinen. Es macht Spaß, sich kleine Segmente auszusuchen und die winzigen mit Bleistift gezeichneten Fitzelchen zu begutachten. (Erika Sieberts) Sie arbeitet auch ortsbezogen und überführt die Zeichnung in die dritte Dimension: Ihre ortsbezogenen temporären Raumzeichnungen ergeben von einem einzigen Betrachterstandpunkt aus ein Bild.

Mit Farbstiften und Graphit zeichnet Renate Neuser (geb. 1939 in Kiel, Studium in Kiel / Stuttgart, Mitglied im Deutschen und im Westdeutschen Künstlerbund) surreale Wesen, die von der Natur angeregt sind. Verzerrte Käfersilhouetten, Kopffüßler mit schlangenartigen Beinen oder Insekten mit blasenartigen Fortsätzen gehören zu ihrem Repertoire von Lebewesen fremder Welten. In einer Serie von Objektkästen bilden zeichenhafte Naturformen Hintergründe zu den installierten Kleinplastiken. Sie zeichnet und schraffiert sehr exakt mit unpersönlichem Strich oft plastisch ausgearbeitete Formen und interessiert sich für deren lebendige Kontur.

Die Papierarbeiten der Zeichnerin und Filmemacherin Eva von Platen-Hallermund (geb. 1965 in Frankfurt, Studium in Offenbach am Main / Köln, Professur in Nürnberg) nutzen – inhaltlich wie formal – das ganze Spektrum des Mediums Zeichnung. Ob schnelle Skizze oder präzise Collage, ob spontane Notation oder hintersinnige Montage, Eva von Platen-Hallermund‘s Arbeiten konfrontieren den Betrachter mit „unverwarteten Kollisionen von Sinn- und Bildzusammenhängen“… Werbebotschaften, Bildklischees und Parolen werden von der besessenen Assoziationsarbeiterin so lange hin und her gedreht, bis ihre tradierte Bedeutung in Sinn- und Unsinns-Splitter zerbröselt… (Manfred Rothenberger)

Wenn Peter Torp (geb. 1954 in Schleswig-Holstein, Tätigkeit in der Landwirtschaft, Studium in Kiel) miteinander verwobene Bilderrätsel zeichnet, arbeitet er mit Witz und Tiefsinn, voller Zusammenhänge und mit einem schier überbordendem Reichtum an Einfällen. Dabei halten genaue Beobachtung, intellektuelle Reflexion und abgründiger Humor mit den künstlerischen Möglichkeiten Schritt oder sind diesen ein immer neuer Ansporn. Viele seiner Arbeiten sind mit einem philosophischen oder wissenschaflichen Thema hinterlegt, dem sich Torp mit seinen bildnerischen Erfindungen nähert und dieses mit subjektiven Interpretationen einkreist, um es dann mit heiterer Gelassenheit in den Raum der Kunst zu entlassen. (Erik Stephan)

Brigitte Waldach (geb. 1966 in Berlin, Studium in Berlin) fertigt großformatige Zeichnungen und raumgreifende Installationen. Ihre Kunst beschäftigt sich mit mythologischen und zeitgeschichtlichen, mit existenziellen und brisanten Themen wie Terrorismus, Religion, Pathos, Gewalt, Liebe oder Angst. Politische oder religiöse Symbole tauchen häufig in ihren Werken auf, sie arbeitet inhaltlich, ohne im Privaten zu verbleiben. In ihren Zeichnungen sind Figuren und Landschaftsmotive häufig von Texten in verschiedenen Schattierungen umgeben. Brigitte Waldach zeichnet großformatig, häufig sind es mehrteilige Bilder, bei denen sich Linien und Schrift zu einem komplexen Motiv vereinen.

 

Abb.: Matthias Beckmann, aus der Serie „Gemäldegalerie“, 2017, Bleistift auf Papier, 35,5 x 27 cm / Katja Davar, Quarry or Glory, 2016, Bleistift, Acryl und Tusche auf Papier, 149 x 113,5 cm / Barbara Hindahl, Dirt Fiction 110, 2017, Graphit auf Papier, 65 x 62 cm (Foto: Kathrin Schwab, Mannheim) / Renate Neuser, aus der Serie „Überlegung zu einem Käfer (mechanisch, elektronisch)“, 2003, Graphit auf Papier, 240 x 110 cm / Peter Torp, Die Position eines Wollknäuels, 2018, Aquarell auf grundiertem Papier, 97 x 70 cm / Eva von Platen-Hallermund, Haariges Haubenmädchen, 2013, Filzstift auf Farbausdruck, 29,7 x 21 cm / Brigitte Waldach, ZEIT_RAUM 45‘00 (CAGE), 2016, Graphit, Gouache, Pigmentstift auf Bütten, 146 x 140 cm (Foto: Bernd Borchardt)

 

Die Ausstellung wird am Freitag, 15. November 2019, um 18 Uhr eröffnet.

23.November 2019, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr

Inventio

Experimentelle Musik

Marburger Studio. Frank Michael, Flöten und Andreas Rossmy, Violoncello: Die Auseinandersetzung mit der Zweistimmigkeit, dem „Bicinium“, ist bereits im Mittelalter ein beliebtes Betätigungsfeld musikalischer Erfindung. Nicht nur Bachs Inventionen, sondern viele Kompositionen des 19. Jahrhunderts, der klassischen Moderne bis hin zur jüngsten Vergangenheit bearbeiten dieses Thema, manchmal mit überraschenden, ja verblüffenden musikalischen Ideen.

30.November 2019, 18:00 Uhr - 21:00 Uhr

Florian Conrads. Lichtgestalten

Finissage der Ausstellung im Erwin-Piscator-Haus

Der Berliner Fotograf Florian Conrads zeigt in seiner Ausstellung vom 29.8. bis 30.11.2019 Impressionen aus der AG Halbleiterphotonik der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Martin Koch und Fotografien dynamischer Rotationserscheinungen.

 

I Impressionen aus der AG Halbleiterphotonik

Physikerinnen und Physiker vergraben sich gerne in abgedunkelten Laserlaboren. Die Verdunklung wird nötig, da nur die Lichtteilchen detektiert werden sollen, die vom Experiment stammen und nicht solche, die in einer Deckenlampe ihren Ausgangspunkt haben. Die Experimente, die durchgeführt werden, sind speziell und es ist wirklich schwierig, sie Nicht-Experten und -Expertinnen zu erläutern. Beispielsweise geht es darum, die Bildungs- und Zerfallsdynamik von sogenannten Exzitonen in Halbleiterhetero-strukturen bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt zu beobachten. Warum dies interessant und reizvoll ist, ist nicht leicht erklärt.

Allerdings hat diese Forschung auch einen ästhetischen Aspekt; und dieser ist offensichtlich und bedarf keiner Erläuterung. Die Laserstrahlen, die von einem Wald von Spiegeln in komplexen Bahnen umgelenkt und Richtung Probe geschickt werden, sind mitunter sehr schön anzusehen. Viele Forscher haben schon versucht, diese Laserstrahlen fotografisch einzufangen – niemandem ist dies so gelungen wie Florian Conrads mit seiner speziellen Beleuchtungstechnik. Seine Werke besitzen Strahlkraft und vermögen eindrucksvoll dem Laien die Schönheit der physikalischen Forschung mit Lasern zu vermitteln.

 

II SPIN DARK. Fotografien eines bewegten Moments

Im Kleinsten wie im Größten bestimmt das Kreisen unser Leben. Ob das Elektron um den Atomkern oder der Planet, auf dem wir leben, um die Sonne, oder bloß die Gedanken um eine bestimmte Sache. Selbst wenn wir scheinbar still stehen, so sind wir doch ständig in Bewegung!

Diese allgegenwärtige Bewegung macht sich Florian Conrads in seiner Serie SPIN DARK zunutze, um Lichtobjekte entstehen zu lassen. In Langzeitbelichtungen von sich drehenden Silhouetten entstehen Farbmischungen, Überlagerungen, feine Linien oder große Flächen, die im Zusammenspiel zu Körpern werden und deren Bewegung in einer Fotografie festgehalten wird. Wie in einem Labor experimentiert Conrads mit seinen selbstgebauten Objekten und bezieht den Zufall ganz bewußt in seine Arbeit mit ein. Denn die Kombination aus Farbe, Form, Licht, Rotation, Zeit und der von ihm angewendeten Technik schließt Überraschun-gen immer mit ein. Und dieser forschende Ansatz überträgt sich auch auf die Betrachtung seiner Arbeiten. Eine Neugier wird ausgelöst, die auch Teil des Schaffungs-prozesses war. Es beginnt eine Suche nach bekannten Formen, ein Studium der Details, ein Eintauchen in räumliche Farbtiefen.

Conrads Fotografien bestechen durch Symmetrie und Ruhe. Gleichzeitig beinhalten sie Chaos und Bewegung, die zwar durch die Länge der Belichtung kaum sichtbar sind, aber dennoch Teil der Motive bleiben. Es sind Rotationserscheinungen mit einer dynamischen Ordnung, oder besser: in Form gebrachte, bewegte Momente.

www.spin-dark.de

Florian Conrads ist Grafikdesigner und Fotograf und führt seit zehn Jahren fotografische Experimente mit Licht im Dunkeln durch. SPIN DARK ist Fotografie mit dem Blick eines Grafikdesigner.

Eröffnung am Donnerstag, 29. August 2019, um 18 Uhr

Zur Einführung sprechen:

Prof. Dr. Martin Koch, AG Halbleiterphotonik

Prof. Dr. Michael Bölker, Vizepräsident der Philipps-Universität Marburg

Einladungskarte_Florian-Conrads_EPH

Die Ausstellung wird dankenswerterweise gefördert von: