Jahresvorschau

26.Juli 2019 - 12.September 2019

Boris Becker. Fotografie

Ausstellung

In der Ausstellung „Wüstenbilder“ zeigt Boris Becker zwei fotografische Serien, die im Norden der Westsahara, in Smara, entstanden: Im Februar 2007 reiste Boris Becker auf Einladung der UNO-Flüchtlingshilfe dorthin und dokumentierte mit seiner Kamera die Flüchtlingslager der Saharauis. Ihre kargen Lebensbedingungen verdeutlichen seine Bilder der „Goatstables“ und der „Gasstations“ – einfache architektonische Gebilde in provisorischer Konstruktion aus gefundenen Materialien, Metallschrott, notdürftig geflicktem Maschendraht und Steinen.

Die Fotografien von Boris Becker auf den Spuren der Reisen Lawrence von Arabiens aus dem Jahr 2010 dokumentieren die historischen Orte und geben Eindrücke vom Umfeld der Ereignisse und Aktivitäten von Thomas Edward Lawrence (1888-1935) in seiner Zeit als Archäologe und Burgenforscher um 1910 wieder. Zu Fuß und allein war er als Student der Geschichte an der Universität Oxford durch Syrien und Palästina gereist und bereitete währenddessen sein Buch „Die Sieben Säulen der Weisheit“ vor, das ursprünglich als Reisebuch über sieben Städte des Orients geplant war und 1926 in veränderter Form als Erfahrungsbericht über den Krieg erschien.

Im Gegensatz zu den Reisefotografien des privaten Gebrauchs vermitteln die Fotografien von Boris Becker nicht ein dokumentarisches „Ich war hier!“. Auch würden sie kaum in der Lage sein, einen Reiseführer zu illustrieren, der die Sehenswürdigkeiten eines Landes vorstellt. Vielmehr zeigen diese Aufnahmen die Oberflächen, die Beschaffenheit des Gesehenen – und somit doch etwas Typisches dieser exotischen ‚Territorien‘. Jede der Aufnahmen zeigt die spröde Trockenheit der Region, gepaart mit der Klarheit des Lichts, das die Oberflächen zum Leuchten bringt. Die Fels- und Wüstenformationen breiten sich wie die flächigen Kulissen eines Dioramas aus.

Diese Flächigkeit ist eines der wichtigsten Stilmittel des Fotografen, denn sie schützt den Betrachter davor, durch das Bild quasi hindurchzuschauen auf das Motiv. Die Flächigkeit macht uns deutlich, dass es um Bilder geht, um Gemachtes, um Fotografien, und nicht um die vemeintlichen Landschaften selbst.

Boris Becker (geb. 1961 in Köln) studierte von 1982-84 an der Hochschule der Künste Berlin und von 1984-90 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd Becher. Meisterschüler 1988. Seit 1989 zahlreiche Preise und Stipendien sowie Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland. Verschiedene Publikationen wie Territorien 1998, Geräumtes Gelände 1995. 2005-06 Gastprofessur an der HfK Bremen. 2010-11 Vertretungsprofessur an der Kunsthochschule für Medien, Köln. Er lebt und arbeitet in Köln.

www.boris-becker.com

Abb.: Wadi Rum, 2010, c-print Diasec, 140 x 230 cm, Edition 5 + 1 AP

Einladungskarte_Boris-Becker_Marburger-Kunstverein

Ausstellungseröffnung am Freitag, 26.7.2019, um 18 Uhr.

Zur Einführung spricht: Prof. Dr. Klaus Schneider, Direktor a.D. Rautenstrauch-Joest-Museum_Kulturen der Welt, Köln

Öffentliche Führungen jeder Samstag ab 16 Uhr mit Saskia Schäfer

Zeichnen am Abend am Donnerstag, 22.8.2019, um 18 Uhr

Finissage der Ausstellung am Donnerstag, 12.9.2019, um 18 Uhr

29.August 2019, 18:00 Uhr - 21:00 Uhr

Florian Conrads. Lichtgestalten

Ausstellung im Erwin-Piscator-Haus

Der Berliner Fotograf Florian Conrads zeigt in seiner Ausstellung vom 29.8. bis 30.11.2019 Impressionen aus der AG Halbleiterphotonik der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Martin Koch und Fotografien dynamischer Rotationserscheinungen.

 

I Impressionen aus der AG Halbleiterphotonik

Physikerinnen und Physiker vergraben sich gerne in abgedunkelten Laserlaboren. Die Verdunklung wird nötig, da nur die Lichtteilchen detektiert werden sollen, die vom Experiment stammen und nicht solche, die in einer Deckenlampe ihren Ausgangspunkt haben. Die Experimente, die durchgeführt werden, sind speziell und es ist wirklich schwierig, sie Nicht-Experten und -Expertinnen zu erläutern. Beispielsweise geht es darum, die Bildungs- und Zerfallsdynamik von sogenannten Exzitonen in Halbleiterhetero-strukturen bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt zu beobachten. Warum dies interessant und reizvoll ist, ist nicht leicht erklärt.

Allerdings hat diese Forschung auch einen ästhetischen Aspekt; und dieser ist offensichtlich und bedarf keiner Erläuterung. Die Laserstrahlen, die von einem Wald von Spiegeln in komplexen Bahnen umgelenkt und Richtung Probe geschickt werden, sind mitunter sehr schön anzusehen. Viele Forscher haben schon versucht, diese Laserstrahlen fotografisch einzufangen – niemandem ist dies so gelungen wie Florian Conrads mit seiner speziellen Beleuchtungstechnik. Seine Werke besitzen Strahlkraft und vermögen eindrucksvoll dem Laien die Schönheit der physikalischen Forschung mit Lasern zu vermitteln.

 

II SPIN DARK. Fotografien eines bewegten Moments

Im Kleinsten wie im Größten bestimmt das Kreisen unser Leben. Ob das Elektron um den Atomkern oder der Planet, auf dem wir leben, um die Sonne, oder bloß die Gedanken um eine bestimmte Sache. Selbst wenn wir scheinbar still stehen, so sind wir doch ständig in Bewegung!

Diese allgegenwärtige Bewegung macht sich Florian Conrads in seiner Serie SPIN DARK zunutze, um Lichtobjekte entstehen zu lassen. In Langzeitbelichtungen von sich drehenden Silhouetten entstehen Farbmischungen, Überlagerungen, feine Linien oder große Flächen, die im Zusammenspiel zu Körpern werden und deren Bewegung in einer Fotografie festgehalten wird. Wie in einem Labor experimentiert Conrads mit seinen selbstgebauten Objekten und bezieht den Zufall ganz bewußt in seine Arbeit mit ein. Denn die Kombination aus Farbe, Form, Licht, Rotation, Zeit und der von ihm angewendeten Technik schließt Überraschun-gen immer mit ein. Und dieser forschende Ansatz überträgt sich auch auf die Betrachtung seiner Arbeiten. Eine Neugier wird ausgelöst, die auch Teil des Schaffungs-prozesses war. Es beginnt eine Suche nach bekannten Formen, ein Studium der Details, ein Eintauchen in räumliche Farbtiefen.

Conrads Fotografien bestechen durch Symmetrie und Ruhe. Gleichzeitig beinhalten sie Chaos und Bewegung, die zwar durch die Länge der Belichtung kaum sichtbar sind, aber dennoch Teil der Motive bleiben. Es sind Rotationserscheinungen mit einer dynamischen Ordnung, oder besser: in Form gebrachte, bewegte Momente.

www.spin-dark.de

Florian Conrads ist Grafikdesigner und Fotograf und führt seit zehn Jahren fotografische Experimente mit Licht im Dunkeln durch. SPIN DARK ist Fotografie mit dem Blick eines Grafikdesigner.

Eröffnung am Donnerstag, 29. August 2019, um 18 Uhr

Zur Einführung sprechen:

Prof. Dr. Martin Koch, AG Halbleiterphotonik

Prof. Dr. Michael Bölker, Vizepräsident der Philipps-Universität Marburg

Einladungskarte_Florian-Conrads_EPH

Die Ausstellung wird dankenswerterweise gefördert von:

      

 

20.September 2019 - 7.November 2019

Sonja Edle von Hoeßle und Herbert Mehler

Ausstellung

Die prägnanten Skulpturen von Sonja Edle von Hoeßle sind aus Cortenstahl ohne Anfangs- und Endpunkt als Endlosschleife verschweißt. Sie verändern ihr Erscheinungsbild mit der Bewegung und dem Blickwinkel des Betrachters. Zugleich wandeln sich die Durchblicke und die ausschnitthafte Rahmung des umgebenden Raumes. Sie sind gleichsam Zeichnungen im Raum. Das entscheidende Spannungsmoment verdanken die Endlosschleifen dem Wechselspiel von Spannung und Entspannung, verkörpert durch gerade und gebogene Abschnitte. Momente der Ruhe, des Auflagerns auf den geraden Elementen wechseln mit solchen der Beweglichkeit, des Schwingens und Ausbalancierens auf den gebogenen Teilen.

Sonja Edle von Hoeßle (geb. 1960 in Wiesbaden) studierte bis zum Diplom 1992 Visuelle Kommunikation an der FH Mainz und der FH Würzburg, Fachbereich Gestaltung. 1993 machte sie sich mit der Metallmanufaktur „two hands“ selbständig und hatte 2008-11 ihr Atelier in Berlin. 1996 erhielt sie den Debutantenpreis des Bayerischen Staatsministeriums, 1998/99 die Atelierförderung des Bayerischen Kulturfonds, 2003 den Kulturförderpreis der Stadt Würzburg und 2016 den PEMA-Kunstpreis des Kunstvereins Bayreuth in der Sparte Skulptur.

2015 gründete sie zusammen mit Herbert Mehler das „Erbachshof art project“ in Eisingen bei Würzburg, wo die beiden ebenso wie in Kranidi / Griechenland gemeinsam leben und arbeiten.

www.edle-von-hoessle.com

Abb.: Endlosschleife 9XV, 2018, Cortenstahl, 260 x 240 x 310 cm

 

Die Skulpturen von Herbert Mehler haben Faltungen, die wie Plissée anmuten, Falzungen, die an Lampions denken lassen, sie formieren sich zu symmetrischen Plastiken aus Stahl, deren Formen Früchten, Samenkapseln und Blütenstängeln gleichen, dann wieder erinnern sie an Körperformen der menschlichen Figur: In seinem Werk erfasst der Bildhauer Herbert Mehler das Wesen der Dinge und überträgt es in seine Objekte. Steht man den Skulpturen eines der namhaftesten Bildhauer der Gegenwart gegenüber, verspürt man den Impuls, diese berühren zu wollen. Darin wohl liegt die Magie, die diese große Kunst in sich trägt: Sie berührt ihr Gegenüber leise und subtil auf der Ebene der Kinästhetik. Der harte, von Rost überzogene Stahl erfährt eine Metamorphose. Durch die Hände des Bildhauers verwandelt sich seine Härte und wird „gefühlt“ weich, eine vitale rhythmische Bewegung entfaltet sich und gibt Leben wider. Fast scheint es, als schwebten die großen Formen im Raum, die Leichtigkeit des Seins zitierend und es ist, als seien hier die Dinge nicht in Zerfall und Auflösung begriffen, vielmehr stehen sie an der Grenze zur Unendlichkeit.

Seit Ende April 2018 steht Herbert Mehlers „ appianamento grande“ als Außenskulptur auf dem Vorplatz des Marburger Kunstvereins.

Herbert Mehler (geb. 1949 in Steinau bei Fulda) erhielt 1964-68 eine Ausbildung bei seinem Vater, dem Holzbildhauer Franz Mehler und studierte 1972-76 an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Er erhielt 2007 den Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten sowie den Kulturpreis der Stadt Würzburg und im Jahr 2008 den 1. Preis „Skulpturen im Park“ in Stadt Mörfelden-Walldorf.

www.herbert-mehler.com

Abb.: appianamento grande, 2013, Cortenstahl, 360 x 154 x 106 cm

28.September 2019, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr

in dubio pro duo

Experimentelle Musik

Günter Heinz, Posaune und Albert Kaul, Clavichord: Auf den ersten Blick zwei Instrumente, die überhaupt nicht zueinander zu passen scheinen. Gerade dies jedoch ist für die beiden Musiker Anlass und Auftrag zugleich: Können diese beiden Instrumente, die aus so verschiedenen Richtungen kommen, überzeugend musikalisch zusammenarbeiten? Kann gerade aus dieser Verschiedenheit eine besondere Kraft erwachsen?

15.November 2019 - 9.Januar 2020

beZEICHNENd

Ausstellung

Matthias Beckmann, Berlin

Katja Davar, Köln

Barbara Hindahl, Mannheim

Renate Neuser, Essen

Eva von Platen, Nürnberg

Peter Torp, Berlin

Brigitte Waldach, Berlin

 

Abb.: Peter Torp, Die Position eines Wollknäuels, 2018, Aquarell auf grundiertem Papier, 97 x 70 cm

23.November 2019, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr

Inventio

Experimentelle Musik

Marburger Studio. Frank Michael, Flöten und Andreas Rossmy, Violoncello: Die Auseinandersetzung mit der Zweistimmigkeit, dem „Bicinium“, ist bereits im Mittelalter ein beliebtes Betätigungsfeld musikalischer Erfindung. Nicht nur Bachs Inventionen, sondern viele Kompositionen des 19. Jahrhunderts, der klassischen Moderne bis hin zur jüngsten Vergangenheit bearbeiten dieses Thema, manchmal mit überraschenden, ja verblüffenden musikalischen Ideen.